Patienten werden immer digitaler: Meldesystem für unerwünschte Nebenwirkungen

August 26, 2019

Interview mit Friderike Bruchmann, Gründerin und CEO der Medikura Digital Health GmbH

Wir treffen Friderike Bruchmann beim 6. Bayerischen Tag der Telemedizin bei der Verleihung des Bayerischen Innovationspreises. Ihr mehrfach prämiertes Meldesystem zur Förderung der Arzneimittelsicherheit hat uns neugierig gemacht, denn ihre Lösung für die komplexe Kommunikation zwischen Patienten, Ärzten, Apothekern und Pharmaherstellern ist wegweisend für den Digital Health Sektor.

1. Womit bereichern Sie die Gesundheitsbranche?

Wir haben ein innovatives Meldesystem für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) entwickelt, das den unmittelbaren Austausch zwischen Patient, Arzt, Apotheker und Hersteller in Echtzeit ermöglicht. Die UAW-Fälle werden zunächst pseudonymisiert, d.h. ohne Weitergabe persönlicher identifizierbarer Daten, an den Hersteller weitergeleitet. Dann können die Hersteller auch Rückfragen an den Patienten, Arzt oder Apotheker stellen, um Fälle umfassend dokumentieren und bewerten zu können. Anschließend fließen alle Meldungen in die Europäische Datenbank ein. Unser Meldesystem ist daher vor allem eine Prozessinnovation, da arzneimittelrelevante Informationen schnell, strukturiert und digital an die richtigen Stellen weitergeleitet werden.

2. Wie funktioniert Ihr Angebot genau?

Über die Website www.nebenwirkungen.de oder die Gesundheits-Apps unserer Partner, z.B. Krankenkassen, können Patienten schnell, einfach und vertraulich ihre Nebenwirkungen melden. Auf Wunsch kann auch der behandelnde Arzt oder Apotheker in die Meldung mit eingebunden werden, um diese zu verifizieren oder zu ergänzen. Die Meldungen werden anschließend an den Pharmahersteller weitergeleitet, um dort von Experten bewertet zu werden. Durch die Pseudonymisierung der Meldungen kann der Hersteller wichtige Rückfragen zu einem Fall stellen, ohne dass die persönliche Identität des Patienten offen gelegt werden muss. Durch unser UAW-Meldesystem wird nicht nur kostbare Zeit gespart, es wird auch sichergestellt, dass arzneimittelkritische Informationen immer direkt an den Hersteller übermittelt werden, um dort sofort reagieren zu können.

3. Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell in Ihrer Branche?

Die gesamte Branche steht vor den Herausforderungen der Digitalisierung und Big Data. Es gibt viele Möglichkeiten, aber die konkrete Umsetzung braucht einfach seine Zeit. Hier bieten wir bereits eine fertige Lösung, indem wir medizinischen Fachkreisen sowie Pharmaherstellern einen neuen Weg der digitalen Kundenbindung und -zufriedenheit aufzeigen, ohne dass es dafür den Einsatz neuer Hard- oder Software braucht. Durch die steigende Transparenz wird es immer wichtiger seinen Kunden, also in diesem Falle den Patienten, einfache, nutzerfreundliche und vor allem digitale Kommunikationsservices anzubieten. Heutzutage hat fast jeder ein Smartphone und nutzt lieber eine App als eine Hotline anzurufen.

4. Welche Veränderungen beobachten Sie in der Kommunikation zwischen Patienten, Ärzten und Pharma-Unternehmen?

Am Anfang haben wir noch einige überraschte Anrufe erhalten, warum es jetzt einen neuen Ansatz für die Meldung von UAWs gibt. Nachdem wir nun aber mehrere UAW-Fälle täglich weiterleiten und die Antwortquote von Patienten auf Rückfragen seitens der Hersteller über 80 % ist, steigt die Akzeptanz unseres Meldeservices stark an. Hersteller antworten mittlerweile binnen einem Tag auf die Weiterleitung von Fällen. Das ist wirklich eine tolle Entwicklung. Wir haben innerhalb eines Jahres Marktrelevanz erreicht, indem wir genauso viele UAW-Fälle wie die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft oder der Deutschen Apotheker erfassen. Unabhängig davon kann man die Arzneimittelsicherheit aber nur gemeinsam verbessern, weshalb wir mit den verschiedenen Einrichtungen zusammenarbeiten wollen.

5. Mit welchen Digitalisierungsthemen werden Sie sich 2019 auseinandersetzen?

Da unser Meldesystem zu 99 % digital sein wird, liegt auch im Jahr 2019 unser Fokus auf der weiteren Automatisierung der Prozesse. Unser Meldesystem ist eher komplex, da wir die verschiedenen Beteiligten, also Patienten, Ärzte, Apotheker und Hersteller, in einem Prozess vereinen. Jeder hat verschiedene Bedürfnisse und Erwartungen, welche sich in den jeweiligen Nutzeroberflächen widerspiegeln sollen. Im Grunde geht es uns darum, durch Digitalisierung Prozesse zu vereinfachen, zu beschleunigen und dabei den Spaßfaktor bei der Nutzung nicht aus den Augen zu lassen. Wir schätzen, dass wir im ersten Quartal 2019 soweit sind, unser UAW-Meldesystem in anderen europäischen Ländern einzuführen.

Friderike Bruchmann, CEO von Medikura und nebenirkungen.de

Meilensteine

Firmierung: Medikura Digital Health im Dezember 2017
Go-Live: Februar 2018
Auszeichungen: Prämierung durch Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie für Innovationskraft der Lösung
Förderungen: Europäische Kommission im Rahmen des Horizon 2020-Programms

Produkt

Auf dem Portal www.nebenwirkungen.de können Patienten einfach, schnell und vertraulich Nebenwirkungen melden und dabei den Arzt oder Apothekers ihres Vertrauens in die Meldung mit einbinden. Die Verdachtsmeldung wird anschließend an den Hersteller weitergeleitet, der direkt Rückfragen an den Patienten, Arzt oder Apotheker stellen und damit wichtige Zusatzinformationen zu einem Fall einholen kann.

Macher

Die Gründer von Medikura hatten selbst unter unerwünschten Nebenwirkungen gelitten – und daraufhin eine anwenderfreundliche digitale Lösung zur Erfassung von Nebenwirkungen entwickelt.

https://www.medikura.com/

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